Demographie
Große Koalition und Verwaltung lassen demographische
Erfordernisse außer Acht
Die Bündnisgrünen im Saarlouiser Stadtrat vermissen
von Verwaltungsspitze und Großer Koalition Impulse zur
Bewältigung der demographischen Herausforderung für
Saarlouis. Jetzt wollen sie über einen Fragenkatalog
Bestandsaufnahme und evtl. . Planungsabsichten in Erfahrung bringen.
Dazu der Fraktionsvorsitzende Gabriel Mahren:
„Nicht nur städtische Sozialpolitik, sondern auch die
früher viel zitierte demographische Herausforderung sind in
Saarlouis zu Randthemen verkommen.
In keinem der derzeit von der Stadtverwaltung vorangetriebenen
Projekte spielt der Faktor Demographie eine Rolle. Dabei ist Eile
geboten. Zwar bleibt die Stadt Saarlouis nach Angaben des
Statistischen Landesamtes von einem wesentlichen Bevölkerungsrückgang
in den nächsten Jahren verschont, schon mittelfristig werden wir
jedoch einen erheblichen Umbruch in der Alterszusammensetzung der
Bevölkerung erleben.
Auf diese Situation abgestimmt haben die Bündnisgrünen
einen Fragekatalog erstellt, der den momentanen Ist - Zustand und die
Planungsabsichten der Verwaltung in den Bereichen Gesundheit, Wohnen,
Wirtschaft, Finanzen und Freizeit in Erfahrung bringen will.
Wir möchten von der Verwaltung wissen welche Infrastruktur
für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger
vorgehalten wird, bzw. welche geplant wird. Darüber hinaus
bringt der demographische Wandel auch erhebliche Veränderungen
in der Finanzpolitik der Kommunen mit sich. Sowohl die Ausgaben - als
auch die Einnahmen im städtischen Haushalt werden hiervon
betroffen sein. Das Zusammenleben der Generationen wird sich
umgestalten. Welche Wohnformen werden bevorzugt? Wie fördern wir
das Miteinander in einer ständig älter werdenden
Gesellschaft? Wie sieht es mit der Nahversorgjung in den Stadtteilen
aus ? Gibt es gemeinsame Anstrengungen von Stadt, Einzelhandel und
anderen relevanten Institutionen Saarlouis als seniorenfreundlich zu
profilieren und weiter zu entwickeln?
Alle diese und weitere spezifische Fragen spielen in der aktuellen
Politik von Großer Koalition und Verwaltung fast keine Rolle.
Altbacken treibt sie ihre überkommenen voran, forciert Angebot
ohne Nachfrage und hält Ratsmehrheiten für Zustimmung in
der Bevölkerung.
Weiter so wie bisher zu agieren, bedeutet mit hoher
Wahrscheinlichkeit Fehlplanungen zu betreiben. Die Grünen
kritisieren dies scharf. Sie wollen zu dieser Politik einen
nachhaltigen generationengerechten Gegenentwurf, der den
Erfordernissen des demographischen Wandels in sozialer, finanzieller
und strukturpolitischer Hinsicht Rechnung trägt.“
Stadtratsfraktion
Saarlouis
10. August 2006
- Der Fraktionsvorsitzende -
Antrag auf Berichterstattung der
Verwaltung
Sehr geehrter Herr
Oberbürgermeister,
anbei übersende ich Ihnen
einen Fragekatalog zum demographischen Wandel in Saarlouis.
Wie Sie aus den Prognosen des
Statistischen Landesamtes wissen wird die Stadt Saarlouis zwar
nicht von einem überdurchschnittlichen Bevölkerungsrückgang
betroffen sein, die Zusammensetzung der Alterstruktur wird sich
jedoch wie in anderen Gemeinwesen auch, in den nächsten Jahren
erheblich ändern.
Auch dies wird Auswirkung auf
städtische Infrastruktur, Finanzen, Dienstleistungen und
Serviceangebote haben. Dementsprechend müssen. aktuelle und
zukünftige kommunale Planungen auch auf ihre
„Demografietauglichkeit“ hin ausgerichtet werden.
Voraussetzungen hierfür sind Bestandsaufnahmen und das
Einbeziehen des Faktors Demographie in das städtische
Verwaltungshandeln.
Ich bitte also um die Beantwortung
folgender Fragen:
Allgemein
Nimmt die Verwaltung eine
regelmäßige Bestandsaufnahme der städtischen
Infrastruktur vor? Wenn ja in welcher Form ?
Stimmen Sie Ihre
Infrastrukturplanung mit den benachbarten Kommunen ab?
Wenn
ja, in welcher Form ? In welchem Zyklus ?
Weist die Stadt gezielt auf
seniorenfreundliche Einrichtungen und Dienstleistungen
hin ?
Gesundheit
Welche Initiativen ergreift
die Verwaltung auf geänderte Anforderungen in der
Gesundheitsfürsorge Ihrer
Bürgerinnen und Bürger ?
Wird die Stadt initiativ bei
der Gründung von Fördervereinen im Bereich der
ambulante medizinische
Seniorenbetreuung ?
Bezieht die Stadtverwaltung
in ihre eventuellen Planungen die niedergelassene
Ärzteschaft und andere relevante
Gruppen mit ein?
Wirtschaft & Finanzen
Welche Bedeutung hat das Ziel
eines seniorenfreundlichen
Einkaufsstandortes
für die Stadtverwaltung ?
8.
Welche Konzepte hat die Wirtschaftsförderung der Stadt, um
seniorengerechte
Einkaufsmöglichkeiten,
Dienstleistungen usw. zu fördern ?
Sind entsprechende gemeinsame
Initiativen mit Handel und Gewerbe geplant?
Gibt es Berechnungen wie sich
der Bevölkerungsrückgang im Kreisgebiet auf den Einkaufs-
und Dienstleistungsstandort Saarlouis auswirken wird.
Gibt es Überlegungen
mobile Bring und Holdienste zur Versorgung nicht mehr voll
mobiler älterer Mitbürgerinnen
und Mitbürger zu entwickeln oder zu fördern ?
12.
Gibt es Planungen die Nahversorgung insbesondere in den Stadtteilen
auszubauen ?
13.
Soll zukünftig die demographische Entwicklung in die
Finanzprognosen der
Verwaltung
bezüglich ihrer Einnahmen und Ausgaben mit einbezogen werden?
Ab
wann, in welcher Form?
14. Gibt es Schätzungen
bezüglich der Kosten für den demographischen Wandel ?
Wohnen
15.
Fördert die Stadt bspw. über ihre Wohnungsbaugesellschaft
GBS neue innovative
Wohnformen für mehr Flexibilität
in den einzelnen Lebensphasen und mehr Kontakt
zwischen den Generationen,
Mehrgenerationenhäuser, Seniorenwohngemeinschaften
u.ä. ?
Ermitteln Sie die
Wohnungswünsche durch die Beteiligung der betroffenen
Zielgruppen?
17.
Richten Sie Ihre Bau und Infrastrukturplanungen auf den wachsenden
Anteil älterer Menschen
aus ( z.B. barrierefreies Bauen ) ?
Freizeit
Gibt es Freizeit- Kultur- und
Sportangebote speziell für ältere Menschen? Wie werden sie
frequentiert? Sind welche in Planung?
Gibt es spezielle
Bildungsangebote für Senioren? Welche und für wie viele
Teilnehmer ?
Gibt es eine Förderung
ehrenamtlicher Tätigkeiten von Seniorinnen/Senioren?
21.
Gibt es flexible Nutzungskonzepte für in absehbarer Zeit
leerstehende Einrichtungen,
Kitas, Schulen usw. ? Wenn ja
welche ?
Abschließend
bitte ich Sie mir mitzuteilen, ob die Absicht besteht eine
Arbeitsgruppe, bzw. eine Stabstelle zu bilden, die sich speziell um
die Erfordernisse der o.a. Thematik kümmert.
Den
vorliegenden Fragebogen bitte ich Sie den Kolleginnen und Kollegen
des Rates zur Verfügung zu stellen. Wegen der Komplexität
der Fragestellungen überlasse ich es Ihnen einen zuständigen
Ausschuss in der 2. Jahreshälfte zu wählen, in der die
Verwaltung Bericht erstattet. Für Rückfragen stehe ich
Ihnen zur Verfügung.
Für
Ihre Bemühungen und die Ihrer Kollegen in der Verwaltung bedanke
ich mich schon jetzt.
Mit
freundlichen Grüßen:
gez.
Mahren, Fraktionsvorsitzender
Demografie
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Die Demografie (auch Demographie geschrieben) bzw.
Bevölkerungswissenschaft ist eine wissenschaftlichen
Disziplin, die sich mit dem Leben, Werden und Vergehen menschlicher
Bevölkerungen befasst, sowohl mit ihrer Zahl als auch mit ihrer
Verteilung im Raum und den Faktoren, insbesondere auch sozialen, die
für Veränderungen verantwortlich sind. Die Erforschung der
Regelmäßigkeiten und Gesetzmäßigkeiten in
Zustand und Entwicklung der Bevölkerung wird mit Hilfe der
Statistik erfasst und gemessen.
Demografische Entwicklung: Deutschland
In Zusammenhang mit der politischen Debatte um die
Aufrechterhaltung der Sozialversicherungen ist in Deutschland häufig
von der demografischen Entwicklung oder dem demografischen
Wandel die Rede. Damit ist die prognostizierte Veränderung
der Gesellschaft gemeint, die von drei entscheidenden Merkmalen
geprägt ist:
Zunehmende Lebenserwartung der
Menschen: "Wir leben vier Jahre länger als unsere
Eltern, unsere Kinder vier Jahre länger als wir", sagt der
Direktor des Mannheimer Forschungsinstituts für Ökologie
und demografischen Wandel. Dies sei ein einmaliger Alterungsprozess,
der in Kombination mit der in Deutschland vorherrschenden niedrigen
Geburtenrate eine enorme Herausforderung für unser
Sozialsystem, unsere gesamte Infrastruktur und vor allem für
unsere Wirtschaft darstelle.
Niedrige Geburtenrate: Mit
derzeit im Schnitt 1,4 Geburten pro Frau hält Deutschland in
der Disziplin, niedrigste Geburtenrate“ – gleichauf mit
Italien und Spanien– einen demografischen Weltrekord. Bereits
seit 1972 verzeichnet das Land einen Bevölkerungsrückgang,
der sich durch den Geburtenrückgang begründet. So bleiben
heutzutage etwa 1/3 aller Männer und Frauen ihr Leben lang ohne
Nachwuchs. Die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen
prognostiziert einen langfristigen Anstieg der deutschen
Geburtenziffer auf 1,85 im Jahre 2050. Dies ist jedoch umstritten.
Außenwanderung: Für die zukünftige
Bevölkerungszahl und die Altersstruktur ist der
Wanderungssaldo, d.h. die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen,
von Bedeutung. Der Wanderungssaldo war in den letzten 50 Jahren
überwiegend positiv und betrug im Jahresdurchschnitt knapp
200.000 Personen. Davon waren drei Viertel Ausländerinnen und
Ausländer. Das Statistische Bundesamt ging (2003) davon aus,
dass die Zahl der Zuwanderungen langfristig sinken wird.
Die ersten beiden Merkmale stützen die Befürchtung einer
Überalterung Gesellschaft. In der Vergangenheit hat das positive
Wanderungssaldo jedoch für eine Zunahme der Bevölkerung
gesorgt. Über die Genauigkeit von Bevölkerungsprognosen
gehen die Meinungen auseinander. In der zehnten koordinierten
Bevölkerungsvorausberechnung prognostizierte das Statistische
Bundesamt 2003, dass bis zum Jahre 2050 noch zwischen 67 und 81
Millionen Menschen leben werden. Diese Berechnungen basieren jedoch
auf der Annahme einer niedrig bleibenden Geburtenziffer von 1,4.
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