Die Holzabschneider machen weiter!
07.04.2009
In wenigen Jahren, so befürchten Experten, wird der charakteristische Großbaumbestand in Saarlouis gefährdet sein.
Mein Freund der Baum ? Die Saarlouiser Verwaltungsspitze singt andere Lieder. Vermutlich hat sie mittlerweile auch andere Freunde. Sieht man sich die lange Liste der öffentlichen Baumfällungen im Stadtgebiet an, kommt man an diesem Eindruck nicht vorbei.
In Saarlouis wütet immer öfter die Kettensäge. Konnte sich die heimliche Hauptstadt des Saarlandes früher wegen ihres markanten schönen Baumbestandes rühmen, so befürchten Experten heute, dass beim derzeitigen Abholztempo in wenigen Jahren der Bestand an Großbäumen in Saarlouis stark gefährdet sein wird.
Angefangen hatte die Kahlschlagserie bei den Bauarbeiten zum Kleinen Markt. Am Hohenzollernring und längs des Busbahnhofs passten die dort stehenden Bäume offenbar nicht mehr ins Bild. Ohne viel Federlesens und trotz städtischer Baumschutzsatzung wurde abgeholzt. Dort stehen nun hastig gepflanzte Zierbäumchen zackig in Reih und Glied. Ordnung muss ja schließlich sein. Für manchen scheint Mutter Natur noch eine echte Bedrohung darzustellen.
Trotz Klimawandel und gesteigerter Umweltsensibilität. Die hohen Feinstaubbelastungen durch den immer noch zunehmenden Autoverkehr spielen offenbar in der derzeitigen Stadtpolitik nur eine untergeordnete Rolle. Und dass zu einer lebenswerten Stadt auch schattiges Grün gehört, das eine wichtige Funktion für ein gutes Mikroklima, für Luftfeuchtigkeit und den Sauerstoffgehalt der Luft hat, haben die Verantwortlichen entweder vergessen oder schlichtweg nie gewusst. Saubermachen, Ordnung schaffen, Entkrauten heißt offenbar die Devise. Immer häufiger beschweren sich unterdessen Bürgerinnen und Bürger bei den Grünen über die Kahlschlagwut der Stadtverwaltung. Nicht nur dass sich die Saarlouiserinnen und Saarlouiser bisher fast immer umweltbewusst an die städtische Baumschutzsatzung gehalten haben. Die Stadtverwaltung, die eigentlich Vorbild sein sollte, demonstriert fast wöchentlich, dass sie ihre eigenen Satzungen nicht allzu ernst nimmt.
Der Charakter der Stadt, der auch durch seine großen Bäume geprägt wird, geht langsam verloren. Und selbst der Stadtgarten, die sogenannte grüne Lunge der Innenstadt, scheint nicht mehr tabu. Am hinteren Teil des Saaraltarms entlang, der eigentlich per Ratsbeschluss der Natur überlassen sein soll, hat eine regelrechte Kahlschlagorgie stattgefunden. Wird das Konzept Erlebnisinsel umgesetzt, dann werden auch dort noch weitere Bäume fallen.
Denn in diesem Bereich sollen Hotel und Wellnessanlagen entstehen. Einen Rummelplatz für Touristen befürchten die Grünen.
Schon wurde beim saarländischen Umweltminister angefragt, ob der Status als Landschaftsschutzgebiet aufgehoben werden kann. Die Antwort steht noch aus, schließlich sind ja bald Kommunal – und Landtagswahlen. Der saarländische Umweltminister hat aber schon mal seine Visitenkarte hinterlassen. Das alte Naturdenkmal am Stadtgartengymnasium, eine uralte Platane, wurde auf Geheiß des Ministeriums geschnitten. Katastrophal, meinen Fachleute. Sie sprechen von tödlichen Schnitten. Ob die alte Platane überleben wird steht dahin. Saarlouiser Schülerinnen und Schüler, junge Menschen, denen wir schließlich unsere Umwelt hinterlassen, gehen jeden Tag an dem arg verstümmelten Baum vorbei. Auf einem Schild können sie lesen: Verweile hier, betrachte still und staune! Zeugnis der Kraft und Schönheit der Natur. Die vor uns lebten, haben schützend es bewahrt, drum ist es Pflicht, dies Erbe zu erhalten.
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